Christel Freitag-Wagner, Ulm

Life in the times of Corona

Life is full of compensations (S. Maugham)

After overcoming the consequences of a serious fall and feeling really fit again and thinking that now I can make trips again, a virus appeared in distant Wuhan.

For the first time in my life I was at home without any professional commitments. After I had retired, I fell and as a result I was involved in mobility exercises for a long time.

At the end of February, our daughter in Switzerland urged me to stop using public transport and to stop all activities with people immediately, noting that I am very sensitive as far as my lungs are concerned.

The activities continued for a week without me, then everything ended.

The purchase was brought to the front door .

Also the dates that had structured the week, were all gone.

It was March and the Märzenbecher started to bloom. As every year, we visited the Wolf Valley. I saw the flowers moving under the sun, moving quietly in the wind, as if they were heralding spring. There are still numerous woods in which Märzenbecher bloom. So we visited a lot of blooming Märzenbecher together with a very rare red mushroom that is around this time growing on rotting beech branches on the ground. After the Märzenbecher the anemones or wood anemones grow in the Alb forests. The forest floor is like a white sea as far as you can look into the forest.

Our radius has now grown. In Nenningen we saw the white clouds of cherry trees and pink apple blossoms. At Dächingen I heard a lark for the first time in decades and after a while I was able to discover it in the sky. Nature continued to develop and the Lerchensporn in purple and white grew in the Brieltal amidst yellow anemones. In the Lonetal the caves could be visited and the site of the “lion man”. In between an excursion to the heath again first to the Küchenschelle, then to the spring gentian and then to the orchid flower.

We also got to know the surrounding area, visited ruined castles, Celtic hills and the rock peaks above the Alb valleys. What a vertical drop into the valley. We sat for a long time at a most beautiful  pond, observed the amphibians such as tadpoles, and I was able to identify the red crimson clover with my plant app.

As every year, I waited for the rare flower called Frauenschuh. When a friend told me that it was blooming, We headed to the Warmtal immediately because of these flowers. This year, too, the abundance of flowers is a real feast for the eyes.

I started reading at home as I had done long ago when my grandmother asked me if I had nothing else to do. With the e book tolino I sit in the garden for hours reading.

Of course I keep in touch with with other people  by phone, email, and Whats App, with video telephony, and messages. The most interesting thing was reported by our son from Spain: The restrictions are much more drastic there. To my surprise the family started planting vegetables, and they water their tomatoes, eggplants, peppers etc. every day. I saw the beds on Whats app. In autumn I had asked him if the walnut tree had many nuts. He said they forgot to harvest, because then nobody was interested in the garden.

Without this virus I would not know the Ulm area so well, and have never experienced nature so intensely. In these days it is called forest bathing. We walk through nature and take it in with all our senses. It is an experience to discover flowers, to hear birds and to see the sun through the trees in the play of light and shadow.

Christel Freitag-Wagner, Ulm

Leben in den Zeiten von Corona

life is full of compensations     (S. Maugham)

Nachdem ich die Folgen eines schweren Sturzes überwunden hatte und  mich wieder richtig fit fühlte und sagte, jetzt kann ich wieder eine Reise machen, da tauchte im fernen Wuhan ein Virus auf. Zum ersten Mal in meinem Leben war ich ohne berufliche Verpflichtungen zu Hause. Nach meiner kürzlich beendeten Berufstätigkeit war ich gestürzt und lange mit Mobilitätsübungen beschäftigt gewesen.

Ende Februar schickte unsere ärztliche Tochter aus der Schweiz die Anweisung, nicht mehr mit dem öffentlichen Verkehr zu fahren und sofort alle Aktivitäten mit Menschen einzustellen mit dem Hinweis, du bist sehr empfindlich, was die Lunge betrifft.

Die Aktivitäten gingen noch eine Woche ohne mich weiter, dann war Schluss.

Der Einkauf wurde an die Haustüre gebracht.

Auch die Termine, die die Woche strukturierten, waren alle weg.

Es war März und die Märzenbecher fingen an zu blühen. Wie jedes Jahr besuchten wir das Wolfstal. Ich sah die Märzenbecher von der Sonne bestrahlt leise im Wind sich bewegen, wie wenn sie den Frühling einläuteten. Es gibt noch zahlreiche Wälder, in denen Märzenbecher blühen. So besuchten wir viele blühende Märzenbecher mit dem zinnoberroten Kelchbecherling, einem sehr seltenen Pilz, der um diese Zeit auf Buchenzweigen wächst, die auf dem Boden liegen. Nach den  Märzenbechern wachsen in den Albwäldern die Anemonen oder Buschwindröschen. Der Waldboden ist wie ein weißes Meer, soweit man in den Wald hineinblicken kann…

Inzwischen wurde unser Radius größer.

In Nenningen sahen wir die weißen Wolken der Kirschbäume und das Zartrosa der Apfelblüten. Bei Dächingen hörte ich zum ersten Mal seit Jahrzehnten ein Lerche und konnte sie nach einiger Zeit am Himmel entdecken. Die Natur entwickelte sich weiter und der Lerchensporn in lila und weiß wuchs im Brieltal inmitten gelber Anemonen.

Im Lonetal konnten die Höhlen besichtigt werden und die Fundstelle des „Löwenmenschen“ . Dazwischen immer wieder ein Abstecher auf die Heide zuerst zur Küchenschellenblüte, dann zum Frühjahrsenzian und dann zur Orchideenblüte.

Auch die Umgebung lernten wir kennen, besichtigten Burgruinen,  Keltenschanzen und die Felsspitzen über den Albtälern. Welch ein senkrechter Steilabfall ins Tal. An der schönsten Hüle, der Haldenhüle, saßen wir lange, beobachteten die Lurche und die Kaulquappen, und ich konnte mit meiner Pflanzen App den roten Inkarnatklee identifizieren.

Wie jedes Jahr wartete ich auf den Frauenschuh. Als eine Freundin meldete, er blüht.

Wir machten uns sofort auf die lange Fahrt ins Warmtal wegen dieser Blüten. Auch dieses Jahr ist die Fülle der Blüten eine wahre Augenweide.

Zu Hause fing ich an zu lesen wie in längst vergangenen Zeiten, als meine Großmutter mich ermahnte, ob ich nichts anderes zu tun hätte. Mit dem e book tolino sitze ich stundenlang im Garten und lese.

Natürlich halte ich Kontakt mit Telefon, email, und Whats  App mit Videotelefonie und Nachrichten. Das Interessanteste berichtete unser Sohn aus Spanien: Die Einschränkungen sind dort  sehr viel einschneidender. Zu meiner Überraschung hat die Familie angefangen Gemüse zu pflanzen, und sie  gießen jeden Tag ihre Tomaten, Auberginen, Paprika usw. Ich sah über Whats App die Beete. Im Herbst habe ich ihn gefragt, ob der Walnussbaum viele Nüsse hatte. Er sagte, sie hätten vergessen zu ernten, da sich niemand für den Garten interessierte.

Ohne dieses Virus würde ich die Ulmer Umgebung nicht so kennen gelernt und die Natur niemals so intensiv erlebt haben. Im neueren Sprachgebrauch wird es Waldbaden genannt. Wir gehen durch die Natur und nehmen sie mit allen Sinnen auf. Es ist ein Erlebnis, Blumen zu entdecken, Vögel zu hören und die Sonne durch die Bäume im Licht- und  Schattenspiel zu sehen.

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